Depression und Bioenergetik


Herr G. ist ein junger Mann, der vor drei Jahren sein Studium abgeschlossen hat. Er hat lange dafür gebraucht, sein Vater war gar nicht zufrieden mit seinen Leistungen und seinem Tempo. So fühlte er sich immer belastet, konnte aber nichts dagegen tun. Seinen ersten Job verlor er nach wenigen Monaten, musste umziehen, war endlich weg von den Eltern, die ihn nicht wirklich unterstützten. Auch die zweite Stelle ist nicht richtig für ihn. Er kündigt selbst und zieht wieder um.

 

Bis hierher konnte er aktiv werden, sich um seine Bedürfnisse kümmern, auch wenn sein Handeln eher Misserfolge bewirkte. Das ändert sich mit der neuen Arbeitsstelle in der neuen Stadt.

 

In seiner neuen Wohnung kommt er nicht dazu, die Möbel zu arrangieren. Es sieht schlimm aus, sagt er selbst. Er hat keinen Plan. An seiner Arbeitsstelle hat er nette Kollegen, er ist beliebt, aber langsam und unstrukturiert. Dadurch kommt es immer wieder zu Konflikten mit dem Chef. Er kann sich das alles nicht erklären. Sein Körper ist lang und schlank, er hat wenig Körperspannung. Bioenergetische Übungen, die ihn in Spannung und zur Energieentladung bringen, gefallen ihm gar nicht. Auch die Gespräche, in denen es darum geht, wie er zu einer besseren Struktur in seiner Arbeit findet, fruchten anfangs nicht. So geht das eine ganze Weile. Er ist interessiert, aber nicht in der Lage, neue Überlegungen umzusetzen. Er findet keine Freunde in der neuen Stadt, macht keinen Sport, die Wohnung gefällt ihm nicht. Maßnahmen zur Verschönerung stellen für ihn keine Verlockung dar. In der bioenergetischen Therapie biete ich ihm immer wieder Übungen zum Grounding an. Ein Zufall bringt am Ende die Wende. Ein Kollege kündigt, er bekommt ein anderes Büro, einen anderen Kollegen, den er einarbeitet. Das macht ihm Spaß, fordert ihn. Sein Ehrgeiz ist erwacht. Er sucht sich eine neue Wohnung, richtet sie nach seinen Wünschen ein, beginnt ein Sportprogramm: Und steht plötzlich auf seinen eigenen Füßen.